Reisen zu den Bergen, Landschaften und Menschen.
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Joachim Reuter  
Meine Reiseerzählungen



Mit den Skiern in der Hand standen die Freunde aus Ulm und ich im Münchener Flughafen am Abfertigungsschalter zwischen den Touristen, die in den sonnigen Süden wollten. Und da hatten wir uns mit den Skiern eingereiht. Das war verrückt. Aber das Atlasgebirge ist über 4000 m hoch. Aber wer weiß, dass man da skifahren kann?

Wir erlebten dort oben alle Wetter, einen Schneesturm, während dem es unmöglich war hinabzufahren. Und schließlich einen hüfttiefen Schnee durch den wir uns hinabkämpften ins Tal nach Imlil.

Wir erlebten die Buntheit Marrakeschs und schnupperten hinein in die Wüsten im Süden Marokkos.

Dieses Land: Die Gastlichkeit der Berber, die wirklich nicht gespielte Freundlichkeit, besonders vieler Kinder. Ein Lächeln sieht man so oft, das hat mich für ein nordafrikanisches Land sehr verwundert. Wie anders war es dagegen in der Osttürkei. Wieviel sauberer ist es in Marokko, auch in den kleinen Dörfern. Wie besonders war der Aufstieg zur Sanddüne in Merzouga, fast 100 m hoch, als ich mutterseelenallein auf der spitzen Schneide entlang ging und die Fußspuren hinter mit verwehten.


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Marokko

Schneesturm und eine Fahrt durch die Wüste


Der Toubkal, 4165 m

Im April 92 wollten wir in Marokko auf Skitouren gehen. In dreieinhalb Stunden flogen wir von München nach Agadir. Wir kamen früh genug an, um gegen Mittag noch einen Linienbus nach Marrakech zu finden. Die Fahrt dauerte viereinhalb Stunden. An den Haltestellen kamen Geschichtenerzähler, Musikanten und einige Bettler in den Bus. Das Hotel Foucould in Marrakech hatten wir reserviert. Die schriftlichen Abmachungen mit unserem Reiseveranstalter Omar Imzilen wurden alle eingehalten.

Auf dem Place Djemna-el-Fna gab es natürlich immer noch die sehr aufdringlichen "Fremdenführer", die sehr unhöflich werden können, wenn man sich ihrer Dienste nicht bedienen will. Dafür zeigte uns am nächsten Tag ein offizieller Führer einen halben Tag den Palast le Bahia und die Souks. Nachmittags fuhren wir nach Imlil und besprachen mit Omar den weiteren Reiseverlauf.


Aufstieg zur Nelter-Hütte

Zur Nelter Hütte (3260 m) starteten wir um 7:30 Uhr, ein wunderschöner Spaziergang an Berberdörfern vorüber. Viereinhalb Stunden waren wir unterwegs mit einer Stunde Pause an den mittleren Hütten. Wir stellten unsere Zelte neben die Nelter Hütte in den Schnee.

Die Zelte vor und nach dem Schneesturm

Der Toubkal ist 4165 m hoch und der höchste Berg Nordafrikas. Mit Harscheisen stiegen wir die Spur hinauf.

Aufstieg zum Toubkal

Erst am Gipfelgrat holte uns ein böiger Sturm beinahe von den Füßen. Wolken begrenzten unsere Sicht, ein Wettersturz bahnte sich an. Jede Schlechtwetterfront vom Atlantik hatte hier ihre natürliche Barriere.


Am Gipfel des Toubkal

Das Zelt flatterte die Nacht über im Schneesturm. Es stürmte und schneite den ganzen nächsten Tag und die Nacht. Ein halber Meter Schnee fiel mit starken Windverfrachtungen. Einige Zelte brachen unter der Schneelast zusammen. Die beiden Zeltnächte im Sturm, die letzte allein, da die Ulmer in die Hütte umgezogen waren, waren auch eine Erfahrung für mich.

Abfahrt nach Imlil

Wir stiegen dann im Schneesturm ab. Auch die Anneliese mußte Ski erhalten. Zu Fuß ging da alleine nichts mehr. Der Hüttenwart rückte die Leihski erst heraus, nachdem er Hermanns kleines Radio und Luis Skischuhe als "Leihgebühr" bekam. Viereinhalb Stunden brauchten wir für den Abstieg nach Imlil. Die Träger hatten trotz dieses miesen Wetters das Gepäck geholt, wir waren ihnen unterwegs begegnet. Sie kamen mit dem Gepäck um 20:15 Uhr ins Hotel.


Schnee in Imlil

Unsere Autofahrt durch den Süden Marokkos begann gemütlicher. Die Piste von Telouet nach Ait Benhaddou war die Allerschönste während unserer Rundfahrt. Sonne, klare Sicht, das bezaubernde Grün im Flußtal, die markanten Berbersiedlungen und Kashbahs. In Quarzazate wurden eine Menge Hotels gebaut, aber immerhin einigermaßen im Landesstil. Nach der Kashbah Skoura fuhren wir in das Dades-Tal hinein und über Agoudat zur Gorges du Todra. Vor 18 Jahren war ich da schon einmal. Das frühere Hotel Jasmin hatte sich vergrößert, daneben entstand ein neuer Hotelbau. Vor 18 Jahren war es hier einsamer. Über Tineghir und Rissani fuhren wir zu den Sanddünen nach Merzouga. Für die Nacht suchten wir ein Lager in den Sanddünen. Der Abendwind trieb den Sand überall hinein. Es gab Erbsensuppe mit Wurst und Sand, Rotwein mit Sand, Kaffee mit Sand.


Die Wüstenetappe war brachial, Sahara pur von 9:30 Uhr bis 20:15 Uhr in Zagora, durch die Wüste Maider, den Ort Tissemounine und den Paß Tiu-n-Tafilalet. Außer in der kleinen Siedlung, wo Mohammed 15 l Diesel besorgen mußte (sonst wären wir festgesessen), hatten wir keine Menschenseele gesehen. Es war diesig, die Luft voller Sand. Zu einigen Umwegen zwang uns das noch schlammige Flußbett, sowie einige unvermuteten Sanddünen, bis ein Durchschlupf gefunden war. Vor dem Paß hatten wir noch eine Reifenpanne. Wir waren alle heilfroh als wir im Hotel in Zagora aussteigen konnten.

Sonne und klare Luft am nächsten Morgen. Aber während des Vormittags auf der Fahrt nach Agdz wurde die Luft schon trübe. Bis Tazenaklet hatten wir nochmals 50 km Piste zu fahren. In Taroudannt übernachteten wir mitten in der Stadt im Hotel Saabien. Wir mußten Fahrzeug und Fahrer wechseln. Ein junger, unerfahrener Mann lenkte den Renault. Er kannte sich noch nicht so gut aus und es fielen einige unhöfliche Worte, besonders von unserer Seite. Ich weiß ja schon einige Zeit, daß wir keine Kolonialherren mehr sind.

Über Ait Melloul und Ait-Balu fuhren wir nach Tafraout, einem ruhigen Dorf mit einem feinen Hotel auf der Anhöhe. Wir fanden eine neu eröffnete Privatpension in der Ortsmitte für 50 Dh. Wir waren die ersten Gäste. Tafraoute ist nichts Besonderes, aber die Landschaft verdient einige Sterne, das Tal der Ammeln noch einen mehr. Dorthinein spazierten wir am nächsten Tag für zwei Stunden. Wir schauten uns dann noch die für einen Film blau bemalten Felsen an. Nachmittags fuhren wir nach Agad-Ouded und gingen zu Fuß zurück. Niemand kam auf die Idee zu betteln, den Leuten geht es recht gut.

Tiznit, Agadir, der Strand von Tarhazout. Ein letztes Abendessen in Agadir. Wir übernachteten am Strand zwischen Agadir und Taharzout (dort gab es noch nicht einmal ein Hotel, aber eines war im Bau). Ich mochte nicht wie die Ulmer im hintersten Winkel eines Steinbruches übernachten. Ich ging mit Schlafsack und Matte dreihundert Meter zum Strand und legte mich auf eine kleine Anhöhe mit schönem Blick am Morgen. Ich schlief allein und ungeschoren. Ich überlegte, ob mich jemand überfallen könnte. Da erkannte ich, daß ich ja gar nichts bei mir hatte, was jemand stehlen konnte. Fängt da die Freiheit an, wenn man nichts mehr besitzt? Ist das Freiheit, wenn man nichts zu verlieren hat?


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